Europa 1

Am 11. April 2010 war es nun endlich soweit: Reisevorbereitungen waren weitestgehend abgeschlossen, Geld war gespart und Baustellen zu Hause halbwegs abgearbeitet. So starteten wir mit leichter Verspätung in Richtung Stuttgart, unserer ersten Zwischenstation. Dort besuchten wir Carina, Heiko und den 3 Monate alten Leo. Nach Kaffee und Kuchen ging es für uns gestärkt weiter. In der Nähe von Ulm suchten wir unseren ersten Schlafplatz.

 

Am nächsten Morgen hieß es zum letzten Mal bei Obi und Penny einzukaufen. Voll bepackt fuhren wir weiter. In Österreich lotste uns unser Navi anstatt über die Autobahn über zwei Bergpässe. Wir hatten noch bei den Routenoptionen „Mautstraßen vermeiden“ vom letzten Frankreichurlaub eingespeichert. So wurde unser Brauner ungewollt schon mal auf Bergetappen getestet. Nach einer weiteren Nacht auf einem Rasthof ging es über die slowenische Grenze. Eine frisch asphaltierte Autobahn führte uns schnell nach Kroatien. Dort wollten wir uns eigentlich erst einmal ein paar Tage am Strand von den letzten Wochen erholen. Da es aber seit Deutschland ununterbrochen Bindfäden regnete fuhren wir weiter. Wir beschlossen so lange zu fahren bis die Sonne wieder zu sehen war.

Die nächste Nacht verbrachten wir an einem riesigen Steinbruch. D.h. die ganze Nacht wurde gesprengt und LKW´s brummten mit Gestein beladen an uns vorbei. Einen besseren Schlafplatz konnten wir in dem Sauwetter nicht ausfindig machen und so ging es gleich im Morgengrauen weiter über die bosnische Grenze. 20 km später waren wir wieder in Kroatien. Da es immer noch regnete fuhren wir weiter nach Montenegro. Auffallend war hier, dass viele hier per Anhalter fahren. Nicht nur junge Menschen, auch alte Frauen, ja ganze Familien. An der Grenze zu Albanien fanden wir einen weiteren Schlafplatz, diesmal ohne Regen, aber auch ohne Sonne.

 

Am nächsten Morgen staunten wir nicht schlecht, als wir die albanische Nationalstraße sahen. Ein Schlagloch reihte sich an das Nächste. Eine Holperpartie, die wir erst in Pakistan erwartet hatten, führte dazu, dass wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von nur 15 km/h erreichten. Albanien gefiel uns aber auf Anhieb: hier fuhren noch Pferdekutschen, Metzger hingen ihre frisch geschlachteten Tiere zur Schau an Haken auf, die Straßen waren voll von einem Gewusel an Menschen, wie wir es nur aus Asien kennen. Schade nur, dass es regnete und wir nicht ein paar Tage bleiben wollten. Die Nationalstraße wurde nach 100 km besser und so konnten wir schnell weiter nach Mazedonien. In Ohrid übernachteten wir an einer Tankstelle. Die Besichtigung der eigentlich schönsten Stadt Mazedoniens fiel wiederum ins Wasser. Kaum waren wir über die griechische Grenze kam die Sonne raus. Endlich! Nach 6 Tagen Regenwetter fuhren wir schnell ans Meer, auf die Halbinsel Sithonia auf Chalkidiki. Dort kamen wir endlich dazu Ordnung im Bus zu schaffen, einige Reparaturen durchzuführen und Wäsche zu waschen.

 

Am zweiten Tag der Ruhe stellten wir entsetzt fest, dass unser Bus vorne links fast keinen Spielraum mehr im Radkasten hatte. Die in Deutschland noch frisch ausgetauschten Federn standen im Verdacht. Irgendwas stimmte hier nicht. Da musste wohl eine neue Feder her. Unser Plan: wir schauen unterwegs nach einem alten T3, bauen nach Genehmigung des Besitzers die Federn aus und lassen sie in einer Werkstatt in unseren Braunen einbauen. Los ging die Suche: schnell fanden wir einen traurig dastehenden T3. Der Besitzer war mit dem Ausbau allerdings nicht einverstanden, da er den Bus noch als Lagerraum benötigte. Dafür half uns der zufällig dastehende Deutsch-Grieche Alexander weiter. Er fuhr mit uns in eine Werkstatt und dolmetschte. Die beiden Mechaniker begutachteten die Feder, naja, sie hängt zwar durch, aber eigentlich sei sie noch funktionstüchtig. „Auch bis Nepal?“, fragten wir. Gelächter…und Zustimmung… ob sie wussten wo Nepal liegt? Egal, wir sollten so weiterfahren können.

So fuhren wir weitere 8 Tage durch Griechenland. Hier war so gut wie nichts los, da noch Nebensaison ist. Am Strand waren wir daher ungestört, konnten aber auch keine Bekanntschaften knüpfen. Glücklicherweise sahen wir eines abends am Strand vier Delfine aus dem Wasser springen.

 

In der bergigen Landschaft Griechenlands liefen uns des Öfteren Schildkröten über den Weg. Da hieß es: bremsen, aussteigen, Schildkröte ins Grüne bringen und weiterfahren. Weiter ging es für uns zur türkischen Grenze. Zuvor hieß es tanken und Gasflasche füllen, da die Preise in der Türkei für Treibstoff gepfeffert sind.