Iran 1

 

Vor dem Grenzübergang in den Iran waren wir ziemlich angespannt. Hatten wir doch gehört, dass beim nördlichen Grenzübergang viele Touristen eine so genannte Diesel-Card erwerben mussten, die dazu berechtigt im Land Diesel zu tanken. Je weiter man durch das Land fährt, desto teurer wird es. Bei einer Durchquerung, wie in unserem Falle, hatten viele schon 1000 Euro hinlegen müssen. So entschieden wir uns für den südlichen Grenzübergang bei Sero und fuhren mit Muffensausen zu dem iranischen Grenzposten. Unsere Pässe wurden von grimmigen Grenzbeamten anstandslos abgestempelt, das Carnet de Passage ausgefüllt, Ursels Verhüllung kurz begutachtet und unser Auto 2 Sekunden inspiziert. Keine Rede von Diesel-Card oder Durchsuchung des Fahrzeugs! Wir konnten unser Glück kaum glauben und machten uns schnell aus dem Staub in Richtung Orumiyeh. Dort machten wir gleich mal Bekanntschaft mit dem iranischen Verkehr. Es sieht aus als gäbe es keine Regeln, jeder drängelt wo er nur kann, Lichthupe da, Gehupe dort, ab und zu knallts. Wo normalerweise 3 Spuren sind fahren 5 Fahrzeuge nebeneinander. Wir kamen zum Glück ohne Beulen voran.

 

In Orumiyeh wollten wir zum ersten Mal tanken. An einer Tankstelle fragte man uns nach der Diesel-Card. Da wir verneinen mussten nahm sich uns gleich ein hilfsbereiter Iraner an, fuhr mit uns 500m weiter zu einer LKW-Werkstatt, pumpte uns gleich mal 70 Liter ab und kippte es in unseren Braunen bzw. in die Ersatzkanister. Geld wollte er dafür natürlich nicht, wäre auch lächerlich gewesen, denn Diesel ist im Iran billiger wie Wasser. Sage und schreibe 1,3 Cent kostet 1 Liter Diesel.

 

Da wir am Wochenende ankamen und die Geschäfte zu hatten, ging es gleich weiter zum nahe gelegenen Salzsee. Wie beim Toten Meer ist untergehen unmöglich. Da wir zuvor noch nie so etwas gesehen hatten ging es gleich mal baden. Für Ursel, wie für die Iranerinnen in voller Montur: Langarm, lange Hose und Kopftuch.

Am Wochenende sahen wir dann auch gleich die Lieblingsbeschäftigung der Iraner: picknicken. Dazu bringen sie den halben Hausstand und die gesamte Familie mit, stellen ein Zelt auf, breiten die Picknickdecke aus und fangen an zu kochen und zu plaudern. An einem Fluss, wo wir unser Nachtlager aufschlugen wurden wir sogleich von Picknickdecke zu Picknickdecke weitergereicht. Jeder wollte mal die Deutschen bei sich sitzen haben und zu irgendetwas einladen. Wir genossen die iranische Gastfreundschaft und fühlten uns gleich wohl in diesem Land.

Weiter ging die Fahrt über die 1500 Jahre alten Ruinen von Takht-e Soleiman, wo wir immer wieder von den Iranern fotografiert und bestaunt wurden. Also schnell weiter in Richtung Tehran. Auf der Fahrt dorthin wollten wir noch einmal auf einem Acker übernachten und bei Tagesanbruch weiterfahren. Nach 10 Minuten stand bereits die Polizei da und wollte uns verjagen, minutenlanges diskutieren war zwecklos. Als wir dann aber sagten, dass wir aus Deutschland kommen, waren die Polizisten plötzlich superfreundlich und übernachten war dann doch kein Problem mehr. Es stimmte also wirklich, die Iraner sind Deutschlandfans und wir wissen es nicht mal.

Am nächsten Tag erreichten wir Tehran, mit 14 Millionen Einwohnern war das Verkehrschaos schon vorprogrammiert. Janus kurbelte wie ein Weltmeister, Ursel benutzte tatkräftig ihre eingebaute Beifahrerhupe und schon erreichten wir einen Park zum nächtigen. Da am Abend die Deutschen gegen England spielten stand als Tagesaufgabe die Suche nach einem Fernseher fest. In einem Hotel wurden wir fündig. So saßen wir neben Persern auf Persern und sprangen bei jedem Tor bis zur Decke, während die Iraner immer ganz cool blieben. 

Da die Bremsen unseres Braunen immer noch nicht einwandfrei liefen und wir weitere Ersatzteile benötigten gingen wir in eine VW-Werkstatt. Der Besitzer Reza hatte noch Ersatzteile von vor 25 Jahren und wir ließen sie die nächsten drei Tage bei ihm verbauen. Außerdem konnten nun endlich auch unser Hochzeitsgeschenk, die Federn, eingebaut werden. Nach einer Nacht in der Werkstatt lud uns Reza ein, bei sich zu Hause zu übernachten. Als wir dort ankamen staunten wir nicht schlecht: eine Villa mit Angestellten und Pool! So konnte Ursel doch noch ihren Geburtstag ohne Kopftuch feiern.

 

Als unsere Bussi wieder fit war ging es weiter zum höchsten Berg im Mittleren Osten: den 5670 m hohen Mount Damavand. Da dort 50 US $ Gipfelgebühr für Ausländer verlangt wurden, begnügten wir uns mit Wanderungen um den Berg. An einem Tag lernten wir Umid, einen Iran-Schweizer kennen, der gerade auf dem Weg mit einer Gruppe zum Camp 3 auf 4200m war. Wir schlossen uns ihm an und fragten zuvor noch im Basecamp, ob wir dafür eine Gebühr zahlen mussten. Nein, nein, wenn man dort oben nicht übernachtet kostet es nichts. Wir liefen also los und nach 6 Stunden erreichten wir die Hütte auf 4200m. Dort stand schon ein Mann vom iranischen Bergclub und sprach irgendetwas von Gebühr. Als wir wieder runterkamen wollte ein ganz anderer Mann plötzlich die 100 $ von uns. Wie bitte? Wir weigerten uns, wollten das Ganze von der Polizei klären lassen und kamen dann doch mit Hilfe unserer neuen Wanderfreunde, die uns halfen zu übersetzen, ohne Rechnung davon.  

Zurück in Tehran übernachteten wir noch einmal bei Reza und konnten es kaum glauben, dass wir wirklich 4:0 gegen die Argentinier gewannen. Zur Feier des Tages ließ Reza eine Flasche Rotwein vom Schwarzmarkt bringen. Das eher nach Portwein schmeckende Gebräu war natürlich nicht mit unserem Pfälzer Wein zu vergleichen.     

Unsere Fahrt ging weiter nach Kashan. Dort hatten wir zum ersten Mal die 40 Grad Marke erreicht und konnten mittags nur noch im Schatten vor uns hinvegetieren. Aber es sollte noch schlimmer werden. In Esfahan hatten wir dann 45 Grad und die Sightseeingtour war mühselig und nur in einem Schneckentempo zu bewältigen. Die Stadt gefiel uns im Iran bisher am Besten. Hatte sie doch einen tollen Basar, viele mosaikbestückte Moscheen mit kühlen Kellerräumen, alte Brücken und schöne Paläste. Bei manchen Moscheen musste Ursel dann über ihre schon schwer zu ertragende Verhüllung dann auch noch einen Chador (knöchellanger Umhang) tragen. 

Da wir an einem Park nächtigen, breiteten wir sobald es Abend war immer unsere Picknickdecke aus. Es verging kein Abend in Esfahan, an dem wir allein auf unserer Decke saßen. Immer wieder wollten sich Iraner mit uns unterhalten. Vor allem mit Majid, der deutsch sprach, verstanden wir uns super. Zusammen schauten wir in einem 5-Sterne-Hotel das tolle, aber trotzdem traurig endende Spiel gegen die Spanier an. Er erzählte uns auch vom neusten Verbot im Iran: gemusterter Nagellack und Stiefel, die über die Hose gehen.

 

Die nächsten Tage verbrachten wir in der Wüste. Dort hatten wir dann über 50 Grad und nachts kühlte es kaum ab. Wir tranken literweise Wasser und auch Bier. Dadurch, dass es alkoholfrei ist schaut niemand komisch, wenn man bereits zum Frühstück schon einen Radler abext. Neben endlosen Weiten und einem atemberaubenden Sternenhimmel gab es ab und zu ein verendetes Kamel und schöne Wüstendörfer zu besichtigen