Türkei 1

Kaum waren wir über die Grenze & in der Türkei machten wir uns auf den Weg nach Istanbul. Nach einer Nacht Zwischenstopp in einer unbekannten Stadt erreichten wir am nächsten Morgen das ehemalige Konstantinopel. Hier wollten wir nach 12 Jahren wilder Ehe endlich heiraten, weit weg von Deutschland und den dortigen Vorstellungen einer Hochzeit. Die notwendigen Papiere brachten wir aus Deutschland und Polen mit.

Nachdem unser Brauner sicher geparkt war, ging es erst einmal zu Fuß ins Zentrum. Dort wollten wir im Mavi Onur Guesthouse die Reservierungen unserer späteren Hochzeitsgesellschaft überprüfen. Nach einer mittelgroßen ungeplanten Sightseeingtour fanden wir das drei Meter breite Gästehaus: die Reservierungen waren vorhanden. Der überaus freundliche Besitzer Ilker arrangierte außerdem eine kostenlose Parkmöglichkeit sowie Dusch- & Internetbenutzung.

 

Danach ging es weiter ins Standesamt von Istanbul. Dies war jedoch zweimal umgezogen, so dass wir zwei weitere Stadtteile kennen lernten. Im Amt sprach nur eine Frau gebrochenes englisch (die, wie sich später heraus stellte, uns ohne Dolmetscher trauen sollte). Sie erklärte uns die bürokratischen Voraussetzungen und schickte uns gleich mal zum Medical Check (bei den vielen arrangierten Ehen in der Türkei ist es wichtig, dass die Trauenden wissen welche Krankheiten der noch unbekannte Partner mit sich bringt). Dazu mussten wir zum röntgen (in einem vorm Standesamt geparkten Lieferwagen) und zur Blutabnahme.

Nach dieser Prozedur ging es zurück zu unserem mittlerweile weit entfernten Parkplatz, um den Bus umzuparken. Summa Summarum liefen wir an diesem Tag 26 km.

Am nächsten Morgen spürten wir unsere Füße nicht mehr, der Gewaltmarsch mit Flip Flops hatte Spuren hinterlassen. Dennoch mussten wir in den nächsten Tagen immer wieder zu Behörden, Fotostudios (unsere Passbilder aus Deutschland waren „not good quality“), Poliklinik,… und wegen eines Syrienvisums mehrmals zur syrischen Botschaft sowie zum deutschen Generalkonsulat. Der Hochzeitstermin klappte, das Syrienvisum nicht.

Nach zwei weiteren Tagen Ruhepause auf dem Parkplatz des Gästehauses verließen wir Istanbul in Richtung Schwarzes Meer. Im grünen und ruhigen Kilyos parkten wir vor einem Nationalpark. Dort wanderten wir die nächsten Tage an der Küste entlang. Was uns hier besonders gefiel waren die täglich anwesenden Delfine, Schildkröten und Schlangen.

 

Zurück in Istanbul kam noch am gleichen Tag der erste Teil unserer Hochzeitsgesellschaft (Doro, Ka, Steffi & Christoph) an. Mit ihnen weihten wir unsere für die nächsten Tage angesagteste Location ein – die Dachterrasse des Gästehauses. In den darauf folgenden Tagen flogen auch noch Meike & Lucas sowie Petra & David ein. Ganz überraschend kam zwei Stunden vor der Trauung auch noch Ursel´s Bruder Bernhard an. Nun ging es mit der Straßenbahn zum Standesamt. Die gesamte Hochzeitsgesellschaft bot Ursel 100 Lira (ca. 50 €) an, wenn sie bei der Trauung anstatt Evet („Ja“), Efes (türkische Biersorte) sagt. Was sich Ursel nicht zweimal sagen ließ. Ein türkischer Brauch ist es, dem Anderen nach Übergabe der Heiratsurkunde auf den Fuß zu treten. Der Schnellere hat damit das Sagen in der Ehe. Ursel hat somit weiterhin die Hosen an… Nach Dosen-Prosecco vorm Standesamt ging es zur Hochzeitsparty mit Barbecue & Efes-Bier zurück ins Gästehaus. Nach reicher Beschenkung verbrachten wir zum wiederholten Male einen lustigen & langen Abend auf der Dachterrasse. Für die Hochzeitsnacht überließ uns Ilker durch einen Deal mit Doro & Ka das Zimmer „Kappadokien“, die erste Nacht ohne unseren Braunen.

 

Nach drei weiteren stressfreien & lustigen Tagen hieß es Abschied nehmen, von unseren Freunden und Istanbul.

Doro & Ka reisten mit uns im Bus weiter. In Candarle und Foca genossen wir noch einmal die Sonne & das Meer. In Izmir war auch diese schöne Zeit vorbei & wir mussten wieder einmal Abschied nehmen.