Türkei 3

 

In Kappadokien erwartete uns eine bizarre Landschaft aus so genannten Feenkaminen (spitz zulaufende Felsen aus Tuffstein) und in steile Steinwände gehauene Behausungen. Unsere erste Station machten wir im Ilhara-Tal. Dort wanderten wir einen Tag lang durch den Canyon. Zu den fast 1000 Jahre alten Behausungen ging es oft nur über Fußtritte im Fels. Viele alte Kirchen mit Wandgemälden verbargen sich in den Höhlen, leider fast immer mit ausgekratzten Augen und Gesichtern der Heiligen.

Auf dem Weg nach Göreme machten wir einen Zwischenstopp in Kaymakli, um dort eine der vielen unterirdischen Städte anzuschauen. Vor langer Zeit wurden diese von den Einheimischen zum Schutz gegen Feinde genutzt. Rückte der Feind an, verschwanden alle unter der Erde und konnten sich dort bis zu sechs Monaten aufhalten. Es gab neben Vorratskammern, Kirchen und Wohnzimmern sogar eine Weinkelterei, was uns sehr zusprach. Unser Nachtlager in Göreme schlugen wir an einer abseits gelegenen Kirche auf. Dort waren wir vor dem Touristentrubel sicher und hatten so keine Probleme einen Dusch- oder Toilettenplatz zu finden. Am Abend leisteten wir uns dann einen Kneipenabend, um unsere Jogi-Jungs gegen die Australier anzufeuern. Leider waren wir die einzigen Deutschen im Gegensatz zu einem Duzend Australiern. Aber sie gestanden ein, dass wir die besseren Fußballer haben.

Am nächsten Morgen dachten wir am Meer zu sein, denn wir hörten ein ständig wiederkehrendes Rauschen. Verdutzt schauten wir raus und stellten erfreut fest, dass ca. 30 Heißluftballons über und neben unserem Bus schwebten. Die Ballons flogen so nah an uns vorbei, so dass wir sehen konnten, dass die Touristen Bilder von uns machten. Wir taten dies natürlich umgekehrt.

 

Viele der Feenkamine in Göreme sind zu individuellen Hotelzimmern umgebaut. Eines Abends wollten wir es uns trotz schmalen Geldbeutels nicht nehmen lassen in einem dieser Feenkamine zu übernachten. Dazu fanden wir ganz in der Nähe unseres Parkplatzes einen Kamin mit einer Leiter. Wir bezogen in der Dunkelheit das einmalige Quartier, schliefen auf dem kühlen Steinboden und schlichen uns am nächsten Morgen wieder raus.

Wir genossen die Zeit in Göreme, bestaunten jeden Morgen die aufsteigenden Ballone und wanderten durch die Täler mit ihren surrealen Felsformationen.

 

In Ürgüp holten wir dann ein heiß ersehntes Paket aus Deutschland ab, das unser Home-Supporter David mit Ersatzteilen und Reisepässen bestückt hatte. Gegenüber einer Werkstatt reparierte Janus dann unsere Hinterradbremse und eilte schnell hinüber, wenn irgendein Werkzeug fehlte. Als alles wieder einigermaßen geflickt war ging es für uns weiter zum Berg Nemrut Dagi. Dort befindet sich ein 2000 Jahre altes Grab vom König Antichos mit imposanten Figuren. Die Köpfe dieser Figuren fielen bei einem Erbeben runter und wurden seitdem nicht mehr auf die Körper gesetzt. Um dort hinzugelangen empfahl uns unser Reiseführer eine schöne, aber lange asphaltierte Straße zum Berg. Nach einer Abbiegung sollte es dann noch kurz steil bergauf gehen und schon sei man auf dem Gipfel. Das klang gut und wir machten uns auf den Weg. Stunden später verfluchten wir den Autor dieser Zeilen, denn wir fanden Schotterpisten, verdammt enge Serpentinen und so steile Stücke, dass wir zeitweise nur im 1. Gang fahren konnten vor. Ständige Zwangspausen zum Runterkühlen des Motors und Entspannung unserer Nerven waren unerlässlich. Abends kamen wir kann endlich an, stolz wie Oskar, dass unser Brauner das geschafft hatte. Um 5 Uhr in der Frühe marschierten wir dann zum Sonnenaufgang zum Gipfel. Ein tolles Schauspiel. Wir blieben noch einen weiteren Tag und schauten zusammen mit den Kurden die Pleite der Deutschen gegen Serbien an.

 

Am nächsten Tag fuhren wir weiter zum Vulkan Nemrut Dagi (der heißt echt genauso wie der andere). Hier im Kurdengebiet kamen uns immer mehr Menschen mit Gewehren über der Schulter entgegen. Wenn wir fragten, ob es denn hier gefährlich sei, lachten sie nur. „Nein Nein, nix gefährlich.“

Als es dämmerte, wussten wir warum sie die Waffen dabei hatten. Ganz in der Nähe unseres Busses heulten Wölfe! Schnell in den Bus und alles verriegeln. Die Nacht verlief aber ohne Zwischenfall.

 

Nun ging es für uns immer mehr in Richtung iranische Grenze. Im Städtchen Baskale wollten wir die letzten Besorgungen machen. Wir parkten und waren noch nicht ausgestiegen, drückten schon die Ersten ihre Nasen an unserer Scheibe platt und reichten Hände durch das zehn Zentimeter offene Fenster. Gingen wir zum Berber, wollten alle sich rasieren lassen, gingen wir ins Gemüsegeschäft, wollten alle Gemüse kaufen, usw. Uns gefiel es super und wir schafften es nur mit Mühe ihre Einladungen zu ihnen nach Hause auszuschlagen und davon zu kommen.

 

An der Grenze in Esendere bereiteten wir uns dann auf den Iran vor. Dies sah wie folgt aus:

- Alkohol leer trinken (ist dort illegal)

- Toilettenpapierbestände auffüllen (die Iraner benutzen die linke Hand)

- kurze Hosen wegpacken (ab sofort werden lange Kleider und Kopftuch getragen)

- Musik-CDs aus dem verhassten Amerika verstecken

- letzte Coladosen verschenken

 

Unseren letzten Abend in der Türkei verbrachten wir beschwippst in einem Büro eines Grenzbeamten und schauten mit ihm das Deutschland-Ghana Spiel an. Zufrieden legten wir uns danach schlafen und erwarteten gespannt den nächsten Tag.

 

Kleine Türkei-Statistik:

Reisetage: 60 (davon 3 bezahlte Übernachtungsplätze)

Gefahrene Kilometer: 4464 km

Ausgaben: 13 € pro Person & Tag (exkl. Hochzeit)

Unfälle: nach Deutschlandspiel und Bierlaune rückwärts in einen Baum gefahren; Ergebnis: Fahrständer „Paulchen“ verbogen

Krankheiten: Mittelohrentzündung (Ursel), Ausschlag am Fuß (Janus)

Busprobleme: Hinterradbremse verschlissen, Radlager hinten defekt, Ölvorlaufleitung zum Turbolader undicht, Stange vom Hubdach durchgescheuert, Auspuff abgerissen

Highlights: Hochzeit in Istanbul, Landschaft in Selirma, Strände um Kabak, Atmosphäre am Nemrut