20: Kirgisistan 3

09.09.2018

 

„Welcome to Kyrgystan“ - begrüßen uns mal wieder mit einem Lächeln die Grenzbeamten auf der kirgisischen Seite. Sie freuen sich wirklich über jeden Reisenden und auch insgesamt sind die Kirgisen durchweg freundlich. Davon könnten sich deutsche Grenzbeamte mal eine fette Scheibe abschneiden.

 

Wir suchen uns in der Dunkelheit einen Platz zum Campieren und schlagen neben der Straße unser Lager auf. Der Verkehr hält sich hier sehr in Grenzen und von weitem hören wir Hundegebell und Stimmen. Wir wissen nicht was es ist, aber wir sind einfach total happy wieder zurück zu sein. Es fühlt sich hier alles gut und richtig an. Wir stoßen mit ein paar Schnäpsen mit Laure & Fabien auf den stressfreien Grenzübertritt an und feiern wieder zurück in „unserem“ Kirgistan zu sein.

 

Am nächsten Morgen bestätigt sich das Bild: Idylle pur. Um uns herum stehen dutzende Jurten der Nomaden und auch der ein oder andere Bauwagen in knalligen Farben a la Peter Lustig steht in unserer Nachbarschaft. Überall grasen Kühe, Pferde und Schafe. Die Kinder kommen neugierig zu uns gerannt und stocken erst einmal als sie Flash, den deutschen Schäferhund der Franzosen sehen. Flash ist aber super erzogen und kann auch ohne Leine brav neben seinen Herrchen sitzen. Die Kinder streicheln ihn alle der Reihe nach und winken uns noch nach als wir weiter ziehen.

 

Die Straße nach Osch ist zum weinen schön. Nicht nur wegen der Landschaft, sondern auch wegen dem butterweichen Asphalt. Nach vier Wochen Geholper in Tadschikistan, ist dies eine Wohltat für uns und Silvester. Seine Risse wachsen nun nicht mehr weiter, aber wir sind froh bald in Osch bzw. in einer vernünftigen Werkstatt, das Problem angehen zu können.

 

In Osch suchen wir erst einmal nach einem guten Stellplatz für die kommenden Tage. Da es im Apple Hostel, wo wir das letzte Mal standen, keinen Platz mehr gibt, ziehen wir zu viert weiter ins TES Guesthouse. Frisch renoviert und ein echter Overlander-Treffpunkt. Wir handeln die Übernachtungskosten noch runter und bekommen einen Special Preis – 7,50 Euro für Parken, Dusche, super schnelles Wifi und einen tollen Garten. Wir sind hier nicht allein. Neben unserem derzeitigen Reisegespann Laure & Fabien, haben auch noch Overlander aus der Schweiz, England, Deutschland und Australien den Weg ins TES gefunden. Außerdem sind zahlreiche Motorrad- und Fahrradfahrer hier. Es wird einem nicht langweilig und so quatschen wir den halben Tag mit anderen Reisenden. Auch eine Pfälzerin aus Dannstadt ist hier und so wird mit ihr nicht geredet, sondern gebabbelt. Wir waren fast schon ein wenig aus der Übung mit dem Pfälzischen...

 

Nebenbei bereiten wir den Werkstattbesuch vor. Denn um die gerissenen Stellen um die Frontscheibe und am Lenkrad zu schweißen, muss das gesamte Armaturenbrett, die Innendecke und die Scheibe raus. Für diese Aktion brauchen wir allein zwei ganze Tage und machen uns dann am dritten Tag auf, zu der bei Overlandern bekannten Werkstatt von Vladimir. Wir haben Glück im Unglück, denn es ist ein muslimischer Feiertag, an dem nicht gearbeitet wird. Jedoch hat Vladimir auch russische Mitarbeiter, die keine Muslime sind und die sind heute da und machen sich nach einer kurzen Inspektion gleich mal an die Arbeit. Das Schweißen an sich geht zügiger als wir dachten und auch der Preis dafür ist super fair. Wir fahren nach einigen Stunden in der Werkstatt guter Dinge wieder zurück ins TES. Da wir das Armaturenbrett schon mal raus haben, kleben wir eine zusätzliche Dämmmatte ein, um Lärm, Kälte und Hitze abzuhalten.

 

Für den Wiedereinbau der Teile und das Lackieren der geschweißten Stellen brauchen wir fast drei Tage. Das Ganze hätten wir bestimmt auch in einer Hauruckaktion innerhalb von einem Tag bewerkstelligen können, aber mittlerweile sind wir so entschleunigt und tiefenentspannt, dass wir für fast alles doppelt so lange brauchen. Und es tut super gut einfach alles langsamer zu machen. Wir bleiben eine Woche im Hostel und begegnen immer wieder Reisenden, die total gestresst und gehetzt sind. Schnell alles abfahren, abhaken, ein Häkchen nach dem anderen hinter die aufgelisteten Punkte der Reise-to-do-Liste, weiter, weiter, weiter. Für was eigentlich? Und genauso waren wir auch. Bis jetzt. Anstatt zehn Highlights schauen wir uns nur noch fünf an. Und das ist auch schon genug. Wir wollen lieber die Zeit mit Gesprächen und Beobachten verbringen.

 

Eine besonders wertvolle Begegnung im TES hatten wir mit Ivan, der mit seinem Fahrrad seit ein paar Jahren durch die Welt zieht. Ivan ist der erste bulgarische Überlandreisende den wir treffen und er stellt sich vor: „I was a dentist and now I am a cyclist“. Super Typ, total mit uns auf einer Wellenlänge und wir werden uns bestimmt wieder sehen. Er war letztes Jahr auch im Norden Pakistans unterwegs und hatte einem Hostelbetreiber ein Paket und Geld da gelassen, welches er hätte nach Bulgarien schicken sollen. Dort ist es allerdings nie angekommen und so wollen wir dem Herr in ein paar Wochen einen Besuch abstatten und Ivans Paket zurückfordern. Mal schauen, ob wir das schaffen.

Wir haben noch zwei Wochen bis zu unserer China-Durchfahrt zu überbrücken und überlegen uns was wir in der Zeit machen wollen. Eins ist klar. Wir wollen raus aus Osch und noch einmal in die Natur. Mittlerweile ist es Ende August und die grünen saftigen Wiesen haben sich durch den heißen Sommer in ein trockenes beigenes Gestrüpp verwandelt. Kirgistan hat mehrere Gesichter und das finden wir spannend. Wir campieren einige Tage am unteren Ablauf des Toktogul Stausees. Das Wasser ist sehr kalt und mehr als 5 Minuten hält man es selbst mit Neoprenanzug nicht aus. Wir nehmen uns viel Zeit für Dinge die wir zu Hause immer vor uns her schieben. Ursel liest ein Buch nach dem anderen und Janus schaut zum ersten Mal auf der Reise vier Filme an

einem Tag !

 

Wir checken mal nebenbei unsere frisch geschweißten und lackierten Stellen und fallen fast rückwärts um. Nach 200 Kilometer auf Asphaltstraße sind drei der fünf Stellen wieder angerissen. Nicht so schlimm wie davor, aber lange hat die Arbeit von Vladimirs Jungs nicht gehalten. Na toll. Fünf Tage Arbeit für fast umsonst. Das heißt wir müssen auf dem Weg zum China-Treffpunkt mit unserer Gruppe nochmal in Osch bei der Werkstatt vorbei schauen.

 

Nach ein paar Tagen entscheiden wir uns noch weiter in den Norden zu fahren. Eigentlich die falsche Richtung. Am von hier aus gesehen 750 Kilometer entfernten Issyk Kul finden alle zwei Jahre die World Nomad Games statt. Ein Sportereignis mit nomadischen Disziplinen wie Ringen, Armdrücken, Bogenschießen, diversen Reiter- und Geschicklichkeitsspielen. Sportler aus 80 Nationen nehmen daran teil und es scheint wohl das einzig wirklich total durchorganisierte zu sein, was Kirgistan zu bieten hat. Da noch andere Overlander, die wir kennen gelernt haben, dort sein werden entschließen wir uns kurzerhand die lange Fahrt auf uns zu nehmen. In Deutschland würde man ja 750 Kilometer auf einer Arschbacke absitzen. In Kirgistan brauchen wir auf einspuriger Straße mit viel LKW-Verkehr drei ganze Tage. Wir wollen uns nicht hetzen lassen und legen einen Zwischenstopp beim Burana Tower ein.

 

Das Minarett aus dem 11. Jahrhundert ist ein letztes Überbleibsel einer alten Stadt und viele Touristen kommen hier her, um den Turm zu besteigen oder die hier aufgestellten Balbals zu besichtigen. Die Balbals sind Stelen, die kleine Grabsteine darstellen und sind 1500 Jahre alt. Sie wurden aus den Bergen hierher gebracht, da man sie hier besser schützen kann. Wir genießen die untergehende Sonne auf dem Gelände, mit dem Blick auf die Berge und quatschen so lange über WhatsApp mit Janus' Familie, dass der Turm leider schon abgeschlossen ist, als wir hochsteigen wollen. Naja, was soll's. Dann müssen wir halt nochmal nach Kirgistan kommen.

 

Auf dem Weg zu den World Nomad Games werden wir zwei mal von der Polizei angehalten. Die Radarpolizisten stehen in Kirgistan alle paar Kilometer und oft fragt man sich was die hirnrissigen Geschwindigkeits-beschränkungen sollen. Auf der Landstraße plötzlich ein 60 oder sogar 40 Schild. Ohne ersichtlichen Grund. Der Polizist kommt ans Fenster und zeigt Ursel die Radarpistole. Urplötzlich können wir kein einziges Wort russisch oder sogar englisch mehr, sondern nur noch deutsch. Ursel lächelt einfach so lieb es geht und schon ist das Herz des Polizisten erweicht. Er winkt uns weiter. Juhu#1.

 

In der nächsten Kontrolle sind die beiden Beamten hartnäckiger. Sie zeigen Bleifuß Ursel, dass sie 84 statt 60 gefahren ist. Macht eigentlich eine Strafe von ca. 12 Euro ohne Korruptionsbeilage. Hier hilft die Sprachamnesie nicht. Auf englisch und mit paar Brocken russisch wird auf die Polizisten eingeredet. „Wir sind doch Touristen und wollen schnell zu den World Nomad Games“ - „Und Geld haben wir auch keins“. Ursel geht zurück und setzt sich wieder in den Bus – abwarten und Tee trinken. Nach 10 Minuten tut sich immer noch nichts und Ursel geht noch mal zu dem im Polizeiauto sitzenden Griesgram. Er hat unsere Fahrzeugpapiere und Ursel's Führerschein in der Hand. Frechheit siegt. Ursel versucht ihm einfach die Papiere aus der Hand zu nehmen. Er zieht sie zunächst weg, hat dann aber wohl keine Lust auf eine hartnäckige Diskussion und gibt genervt die Papiere zurück. Juhu#2.

 

Und weiter geht die Fahrt. 

Wir kommen einen Tag vor Beginn der Nomadenspiele in Cholpon Ata, dem Hauptaustragungsort an. Die Spiele sind eigentlich kostenlos. Jedoch ist die Nachfrage für die Teilnahme an der Eröffnungs- und Abschlusszeremonie so groß, dass man sich mittlerweile Karten dafür kaufen muss. Laut Internet sind die Karten bereits ausverkauft und wir versuchen auf dem Gelände irgendjemanden zu finden, der uns für umsonst reinbringen kann. Wir fragen uns von einem zum anderen und landen irgendwann bei einem Sportkommentator, der uns hilft mit jemandem vom Organisationsteam zu sprechen. Aber leider, leider ist nichts zu machen. Wir sind keine VIPs und auch keine Pressevertreter. Mittellose Overlander müssen draußen bleiben.... naja, egal. Das nächste Mal vielleicht.

 

Auf dem Gelände treffen wir auf zwei Backpacker aus Israel. Efrat & Adam aus Jerusalem haben Karten bekommen und wollen sich auch ein Tag vorher schon mal auf dem Gelände umschauen. Wir quatschen ein Weilchen und gehen dann gemeinsam zu Abend essen.

 

Wir finden einen tollen Platz am See zum campieren. Verbringen dort den gesamten Sonntag und beobachten. Denn es ist Picknick-Tag in Kirgistan und viele Familien kommen an den See. Fast alle halten einen Plastikbecher in der Hand, den wir bereits in vielen Supermärkten gesehen haben. Das klare Gesöff ist der billigste Vodka, den es hier zu kaufen gibt. Wie bei einem Ayranbecher wird durch den Abzug der Aluminiumabdeckung der Inhalt frei gegeben und man hat dadurch ein 100 ml Trinkgefäß. Der Vodka- bzw. Alkoholkonsum ist uns als eines der wenigen negativen Dinge in Kirgistan aufgefallen. Wir haben im Land schon so einige torkelnde Menschen oder besser gesagt Männer angetroffen. Eine betrunkene Frau dagegen haben wir nicht eine gesehen. Auch am frühen Morgen wird schon getrunken und als Gast im Land wurden wir unzählige Male eingeladen mit zu trinken. Dazu wird mit dem Zeigefinger an den Hals geschnippt, was heißen soll, dass man Alkohol hat. Nein Danke, nicht am Morgen. Selbst ein Polizist, der uns vor Wochen mal am Song Kul See angehalten hatte begrüßte uns zur Mittagszeit mit einer ordentlichen Fahne. Der billigste Fusel kostet gerade mal ein Euro für eine 0,7 Liter Flasche. 

Am Abend sind die Familien abgezogen, aber leider, leider haben sie ihren Müll vergessen mitzunehmen.

 

Am nächsten Tag geht es dann zu den kostenlosen Sportdarbietungen im Hippodrom und in die Gazprom-Arena. Nach wenigen hundert Meter werden wir aber erst einmal von der Polizei gestoppt. Die Hauptverkehrsstraße muss frei bleiben, denn der usbekische Präsident kommt hier gleich durchgefahren. So geht das dann die nächsten Tage. Ständig werden wir von angespannten Polizisten von der Straße gepfiffen. Die World Nomad Games könnten auch als Diktatorentreff gelten. Erdogan (TR), Orban (HUN), Nazarbayev (KAZ), Aliyev (AZE) – alle sind vertreten.

 

Wir schauen beim Reiterspiel Kok Boru zu, indem eine kopflose Ziege in einen runden Kreis, der als Tor dient, geworfen werden muss. Ganz schön makaber. Beim Ringen blicken wir nicht ganz durch und mutmaßen eine Zeitlang über das Regelwerk. Dann fahren wir weiter zum Ethno-Villiage, das 60 Kilometer entfernt ist. Überall wimmelt es nur so von Soldaten und Polizisten. Wir erreichen das breite Tal von Krychin und wollen am Liebsten wieder umdrehen. Das Valley ist voll mit Autos. Normalerweise ist so ein Massenereignis abschreckend für uns. Aber ein zurückfahren kommt nicht in Frage, da die Straße so gut wie als Einbahnstraße benutzt wird – alle fahren zum Ethno Village und niemand weg.

 

In 200 aufgebauten Jurten kann man das traditionelle Leben der Nomaden beobachten: das Kochen über dem Feuer, Nomaden-Spiele und das Knüpfen der Shyrdacks (die Filzteppiche). Wir schlendern über das riesige Gelände und laufen hinter der Absperrung des VIP-Bereichs vorbei als uns plötzlich ein Security mit Knopf im Ohr in den Bereich winkt. Meint der uns? OK – dann gehen wir halt ohne VIP-Ausweis da rein. Im VIP Bereich sind ebenso Jurten aufgebaut und die Nomaden tragen ihre traditionellen Kleider während National Geographic Journalisten sie fotografieren. Wir nutzen die Gunst der Stunde und schießen schnell auch ein paar Fotos bevor wir hier auffliegen. Als wir uns zum Pausieren und Beobachten auf die Wiese setzen gesellt sich Azad zu uns. Er ist Schauspieler und um 15 Uhr beginnt eine Eröffnungszeremonie mit Musik, Tänzen und Reiterdarbietungen, bei der er mitspielt. Seine Eltern sind dafür aus Naryn, eine Tagesreise entfernt, angereist, um ihn zu sehen. Wir stehen immer noch im VIP Bereich als sich die Tribüne immer mehr füllt. Als dann auch noch zwei Hubschrauber landen und der kirgisische und der ungarische Präsident unter Bodyguards zur Tribüne geleitet werden, werden auch wir dort hin geschickt. Na so was. Sitzen wir jetzt also in der ersten Reihe? Nur wenige Meter von den Präsidenten entfernt. Schade, dass wir kein faules Ei zum Werfen dabei hatten. Schade. Schade.

 

Die einstündige Show erinnert vor allem Janus an Kult und Propaganda für den Staat. Wir hören noch die Dankesrede des Präsidenten und verlassen, dann wie alle anderen VIPs die Tribüne. Gerade als wir wieder zurück nach Cholpon Ata fahren wollen, springen uns die beiden Israelis vor den Bus. Natürlich nehmen wir sie mit. Und als wir dann noch einen sympatisch aussehenden Backpacker am Straßenrand stehen sehen halten wir auch noch spontan. Boris aus Deutschland passt auch noch auf die Sitzecke. Platz ist in der kleinsten Hütte. 

Von Valentin und Deedrah aus der Schweiz, die wir bereits auf dem Pamir und in Osch getroffen haben erfahren wir, dass sich heute einige Overlander am Seeufer treffen. Natürlich sind wir auch dabei und irren eine Weile mit den Koordinaten im Wald umher bis wir die Gruppe gefunden haben. 8 Autos, 2 Radler, 1 Backpacker - wir sind eine Riesengruppe von 22 Leuten und genießen einen schönen Abend am wärmenden Lagerfeuer.

 

Am nächsten Tag geht es für uns allerdings schon wieder weiter. In ein paar Tagen geht es durch China nach Pakistan und wir wollen Silvester in Osch nochmal fit machen. Wir kommen diesmal zügiger voran, denn dadurch, dass fast alle Polizisten bei den World Nomad Games sind, gibt es so gut wie keine Radarkontrollen.

 

In Osch fahren wir zuerst in die Werkstatt von Vladimir, um mit seinen Jungs die Risse zu besprechen. Allerdings wird schnell klar, dass die am wichtigsten zu schweissende Stelle unter dem Lenkrad ist. Alles muss wieder auseinander gebaut werden. Wir könnten morgen kommen. Dann hätten sie Zeit für uns. Wir überschlagen das Zeitpensum für die Arbeiten und wägen ab. Die Zeit ist zu knapp und wir verschieben das Schweißen lieber auf Pakistan. In der noch zur Verfügung stehenden Zeit wollen wir lieber die Drehstabbuchsen austauschen. Vor sieben Wochen hatten wir diese bereits  schon einmal ausgetauscht. Aber leider waren von den vier benötigten Teilen nur zwei original aus Deutschland. Die zwei weiteren Teile hatten wir in Osch auf dem Autobasar besorgt. Kirgisische Qualität hält sich in Grenzen. Wir finden in unserem Ersatzteilsammelsurium noch zwei georgische Teile, die allerdings vom Innendurchmesser nicht ganz passen. Sie sind zu groß. Also bastelt Janus McGaywer aus einer leeren Hausmacherwurstdose zwei Platten, die als Innenring den Durchmesser verkleinern. Außerdem sind die Teile zu lang und Janus schneidet diese mit einer Flexscheibe, die er gefunden hat und in seinen umgebauten 12V Akkuschrauber einspannt in mühseliger Arbeit ab. Da wird man erfinderisch, wenn das passende Teil nicht zur Verfügung steht.

Wir legen uns einen ganzen langen Tag unter den Bus und schaffen es die Teile auszutauschen. Am Folgetag bereiten wir uns auf den Grenzübertritt vor. Wir gehen einkaufen und füllen unsere Lebensmittelvorräte auf, suchen Verstecke für vermeintlich unproblematische Dinge wie Küchenmesser oder Käse, waschen Silvester und unsere Klamotten. Wir sind bereit und doch zum ersten Mal auf der Reise bei einem Grenzübertritt richtig aufgeregt. Ob alles gut gehen wird? Mit mulmigen Bauchgefühl fahren wir die letzten 250 Kilometer in Richtung Grenze. 

 

So geht sie dahin die Zeit. Wir schlagen nach viereinhalb Monaten das Reisekapitel Zentralasien zu und das Reisekapitel indischer Subkontinent auf. 

Wir werden uns noch in die unberührte Natur und die Ruhe zurückwünschen. Aber jetzt zieht es uns erst einmal weiter.

Bye Bye Kyrgyzstan - Hello Pakistan!